Das Buch
ICH BIN WEIL ICH DICH HÖRE (Kurt Kunz)
Vielleicht handelt es sich beim Leib – Seele – Problem um ein Scheinproblem. Gute Wissenschaft bemüht sich zuerst, ein Inventar der Phänomene zu erstellen, über die man eine Erkenntnis gewinnen möchte. Beispielsweise hat Linné im 18. Jahrhundert sich die Mühe genommen, die damals bekannten Pflanzen und Tiere in einem System, der so genannten binären Nomenklatur, präzise zu bezeichnen und zu ordnen. In den Geisteswissenschaften besteht jedoch eine entgegen gerichtete Tendenz, nämlich primär abstrakt über das Wesen des Geistes, der Gefühle oder des Verstandes zu philosophieren und allenfalls in einem zweiten Schritt einzelne Erlebnisqualitäten, wie Wut, Aggression, Liebe, kausales Denken oder logisches Denken zu erörtern.
Aristoteles, im 4. Jahrhundert v. Chr., hat sich mit seinen Schriften bemüht, damaliges Wissen enzyklopädisch zusammen zu tragen. Sein Einfluss auf das Denken im abendländischen Kulturkreis ist bis heute ungebrochen. Er hat unter vielem anderem ein Konzept entworfen, in dem wir uns über unser Erleben orientieren können. Gemäss seiner Auffassung organisiert sich die Seele hierarchisch. Zuunterst liegt die vegetative Ebene (sich ernähren und sich bewegen). In der Mitte liegt das sensitive (wahrnehmen) Erleben. Darüber befindet sich nous oder noos, der Verstand, die Vernunft. Aus dieser Darlegung des Aristoteles leitet sich die bis heute gültige Trias Leib-Seele-Geist ab...
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