Haltung/Werdegang
Ich habe damals begonnen, Medizin zu studieren, weil mich die Biologie faszinierte. Es schien mir, als Mediziner könnte ich einen ehrbaren Beruf ausüben und bekäme trotzdem wesentlichen Einblick in mein eigentliches Interessensgebiet, die Biologie.
Mit der Zeit wurde mir aber bewusst, dass es noch eine weitere Dimension gibt, die mit der Naturwissenschaft nicht deckungsgleich ist, sogar ihr gegenüber in einem Spannungsverhältnis steht, nämlich diejenige der Beseeltheit und des Geistes. So wandte ich mich einige Zeit nach dem Studium dem Fach Psychiatrie zu, in welchem der Spagat zwischen diesen zwei Dimensionen versucht wird:
Wenn die Naturwissenschaft im Gewirr der Ereignisse allgemeine Regeln zu abstrahieren versucht, interessieren wir Psychiater uns in umgekehrter Richtung auch für das ganz Besondere und Spezifische jedes und jeder Einzelnen. Denn wir Menschen sind Individuen, so dass allgemeine Gesetzmässigkeiten uns selbst nicht gerecht werden können; denn wir sind nicht Gleiche sondern Individuen.
Naturwissenschaftler suchen nach gültigen Erklärungen und Voraussagen. Sie glauben an die Kausalität. In der Psychiatrie geht es statt dessen auch darum, die Besonderheiten jedes Einzelnen aus seinem spezifischen Kontext heraus zu verstehen...
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